SSIP e.V.             Sozialwissenschaftlicher Studienkreis für interkulturelle Perspektiven
Der Weg zum Frieden führt über den kulturellen Austausch und die Kooperation friedlicher Staaten.

Ein Lob auf die Vielfalt

Eng verbunden mit einem essentialistischem Denken ist die Vorstellung, Kultur müsse homogen,  „rein”,  sein. Populismus beginnt immer damit, ein homogenes Volk zu konstruieren, die Vorstellung einer Gruppe zu propagieren, „der einheitliche Sehnsüchte und einheitliche politische Hoffnungen unterstellt werden“ (Dirk Pilz 2016 über die modernen Trumps) Die „unreine” Identität, das Hybride, der Synkretismus — das muss gefährlich und verachtenswert erscheinen einem Denken, das noch durch das Ideal des „völkisch” reinen Nationalstaats in Europa des 19. Jahrhunderts verdorben ist. Zuletzt kulminierte das Homogenitätsdenken in der Chimäre von der Blutsgleichheit aller „Volksgenossen“ und konnte im großen Stil dann die Reinigung des Volkskörpers von allem als „wesensfremd“ Festgestellten in Angriff nehmen. Wo immer die Reinheit der Lehre gepredigt wird, ist es Zeit, misstrauisch zu werden. Noch die unsägliche Rede von dem „Migrationshintergrund“ heutzutage verrät die jahrhundertelange Gewöhnung ans Reinheitsdenken. Diesem ist normal nur das Genuine, das Unvermischte, dem unverhüllt seine Herkunft anzusehen ist. Das Abweichende lauert im Hintergrund.  (Armin Triebel, Einleitung — Kultur nicht im Container, in: Armin Triebel (Hrsg.), Roswith Gerloff. Auf Grenzen. Ein Leben im Dazwischen von Kulturen. On the Border. An In-Between Existence, Berlin: Weißensee 2016, S.22)
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